Alles Weitere kennen Sie aus dem Kino

von Martin Crimp
nach Euripides’ »Die Phönizierinnen«
Deutsch von Ulrike Syha

Die Geschichte kennen Sie: Ödipus wird als Baby ausgesetzt, weil er laut Prophezeiung seinen Vater töten und seine Mutter heiraten wird. Die Prophezeiung erfüllt sich dennoch: Ödipus tötet einen Mann, von dem er nicht weiß, dass es sein Vater ist, heiratet eine Frau, von der er nicht weiß, dass es seine Mutter ist und hat mit ihr vier Kinder. Als er seine Taten erkennt, sticht er sich die Augen aus und verflucht seine Nachkommen. Seine Söhne Eteokles und Polyneikes streiten bald um die Macht in Theben. Der Familienkonflikt wird zur Staatskrise.

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Wenn hier eine Mutter mit ihren beiden Söhnen am Tisch sitzt, dann sind sie Machthaber, Diplomaten und Militärs, die nach ihrem eigenen Vorteil suchen und nicht nach einem friedensstiftenden Kompromiss. Aber »der Staat ist keine Tafel Schokolade. Brich ihn in zwei Teile und du bekommst einen Bürgerkrieg«, sagt Eteokles. Die Brüder sterben schließlich im Zweikampf und erfüllen den Fluch, dem zu entrinnen sie sich vorgenommen hatten.

»Wenn ein Stein, der 75 Gramm wiegt und mit 200 Stundenkilometern durch die Luft fliegt, ein menschliches Becken zertrümmern kann, warum sind wir alle so wunderschön?« fragt ein Chor der Mädchen, der sich gleichzeitig in der Stadt Theben befindet und durch den ausbrechenden Krieg am Weiterkommen gehindert wird. Der Mädchenchor verfolgt das unausweichliche Geschehen und befragt die Gewalttaten. Wer hat den ersten Stein geworfen? Wie konnte es zu all dem kommen? Und wie ist der sich fortsetzenden Gewalt ein Ende zu machen?

Der britische Dramatiker Martin Crimp überschreibt in seinem Stück »Alles Weitere kennen Sie aus dem Kino« die antike Tragödie »Die Phönizierinnen« von Euripides. In einer Sprache, die zwischen antikem Tragödienton und aktuellem Militär-, Politik- und Wirtschaftsvokabular wechselt, zeigt Crimp, wie die Lösung eines Rätsels nur weitere Rätsel produziert und eine Spirale der Gewalt in Gang setzt, deren Wucht bis heute wirkt.

Inszenierung Mina Salehpour
Bühne Andrea Wagner
Kostüme Maria Anderski
Dramaturgie Katrin Breschke

Iokaste, Frau und Mutter des Ödipus / Mädchen
Rika Weniger
Antigone, Tochter des Ödipus und der Iokaste / Mädchen Lisa Schwindling
Betreuerin / Teiresias' Tochter / Mädchen Martina Struppek
Polyneikes, Sohn des Ödipus und der Iokaste / Leise sprechender Offizier / Mädchen Philipp Grimm
Eteokles, Sohn des Ödipus und der Iokaste / Leise sprechender Offizier / Mädchen Oliver Simon
Kreon, Iokastes Bruder / Mädchen Hans-Werner Leupelt
Teiresias, ein Seher / Mädchen Andreas Bißmeier
Menoikeus, Kreons Sohn / Mädchen Alexander Wanat
Verwundeter Offizier / Ödipus / Mädchen Tobias Beyer

Premiere am 20.01.2017

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