Iason | ©Bettina Stoess
 
Junges Staatstheater

Iason

 
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Samstag, 20.10.2018
19:30 bis 20:50 Uhr

Kleines Haus

Alle Termine
Dienstag, 30.04.2019
18:00 Uhr, Kleines Haus
Donnerstag, 16.05.2019
18:00 Uhr, Kleines Haus

Schauspiel Jugend & Erwachsene
Kristo Šagor
Uraufführung

 

Was ist ein Held? Und was ist seine Geschichte?

Iason ist ein Held, ist doch klar! Er will König von Iolkos werden und soll dafür ans Ende der Welt segeln, das goldene Vlies holen und es zurück in die Heimat bringen. Nichts leichter als das – denkt er. Er trommelt und alle kommen, um mit ihm zu segeln: 54 Helden. Männer natürlich. Echte Kerle. Auf einem Schiff, das Dank göttlicher Unterstützung von alleine segelt, und mit der Liebe der wunderschönen Medea kann man(n) jedes Abenteuer bestehen … oh, Moment. Kann man(n) wirklich?

Kristo Šagor hat mit »Iason« ein Stück für das Junge Staatstheater Braunschweig geschrieben, das den heutigen Heldenbegriff durch den antiken Stoff der griechischen Mythologie pointiert und temporeich hinterfragt. Die Abenteuerreise der sogenannten Helden wird zu einer Identitätsfindung, bei der stereotype Rollenbilder erfüllt werden wollen – aber eben nicht immer erfüllt werden können. Der Mythos wird nicht einfach nur ins Heute verlegt, sondern Šagor schafft es gekonnt, mit dem Mythos zu arbeiten und die Ebenen verschwimmen zu lassen. Die Ausstattung von Jasna Bošnjak unterstützt dies durch eine klare Nicht-Verortung, zeitlich und räumlich. Stege und Inseln, verbunden durch schwarze Folie vor einem Sternenhimmel sind die weite Welt, das Meer, sind Kolchis und Iolkos und könnten doch auch ganz woanders sein. Heute, gestern und übermorgen. Dazu Jeans und T-Shirt.

Jörg Wesemüller inszeniert den temporeich geschriebenen Text ebenso actionreich und humorvoll wie poetisch und berührend – und tieftraurig, wenn das Ende der Reise letztlich auch das Ende der Liebe zu Medea bedeutet. Und am Ende fragt man sich: Warum müssen Männer immer Helden sein? Und was heißt das überhaupt? Das Stück bietet den Impuls, sich über Rollenbilder beider Geschlechter auszutauschen und über den Wandel, der sich da gerade vollziehen soll – oder eben nicht vollzieht. Jedenfalls bewegt sich was und dieses Stück trifft mitten rein.

Aufführungsdauer: ca. 1 Stunde und 20 Minuten, keine Pause


Termine und Buchung für Schulklassen:
Katrin Wiegand
Tel: 0531 1234 556
schulgruppen@staatstheater-braunschweig.de

Begleitmaterial für PädagogInnen sowie Workshopangebote erhalten Sie auf Anfrage beim Jungen Staatstheater unter theaterfieber@staatstheater-braunschweig.de

 

Pressestimmen

Die großen Fragen auf den Lippen, die Sehnsucht nach Sex, Liebe, Partnerschaft im Herzen und traumtänzerische Neugier im Kopf, was so geht in der Welt. Einfach mal kosten wollen vom Kult der Männlichkeit, bevor man einfühlsam Job- und Ehekarriere macht. Mit Sagen des klassischen Altertums versuchten einst Stubenhocker den Riesenhunger zu stillen. In Zeiten, wo Superheldenfilme im Kino, Computerspiele auf dem Laptop und Pornos auf dem Handy angeboten werden, rekurriert Kristo Šagor mit „Iason“ mal wieder auf die klassischen Überlieferungen als Projektionsfläche für aktuelle Konflikte und Hoffnungen. Deutet die bis in Schwarzmeergefilde ausufernde Mittelmeer-Kreuzfahrt der Argonauten als Initiationsreise Jugendlicher. Der Autor übersetzt die vielfach schwerblütig literarisierte Tour de force in juvenil lässig pointiertes Whatsapp-Deutsch – und arrangiert in forciertem Rhythmus einen flotten Dialog-Ping-Pong.

Regisseur Jörg Wesemüller hat es für die Uraufführung in Braunschweig packend umgesetzt. Aus wenig Requisiten, viel Lichtwechseln und sechs Schauspielern zaubern er und Ausstatterin Jasna Bosnjak ganze Theaterwelten. Atmosphäre, Timing, sprachlich wie choreographisch pointiert erfasste Charaktere und Mut zum Gefühl – da stimmt einfach alles. Was auch dem exzellenten Ensemble zu danken ist. Allen voran Cino Djavid gibt mit schöner Modulation und manchmal stutzender Retardierung den Jungen Iason, der Heldentum erstmal ausprobiert. [...] Isabell Giebeler spielt als Medea überzeugend die wahrhaft Verliebte, die um Iasons willen Volk und Vater verrät. [...] Götz van Ooyen mimt unternehmungslustig alle Feinde Iasons, darunter schön hochnäsig arrogant den sadistischen Vater Medeas. Saskia Taeger gibt mit oft ironischem Ton und Kleiderwechsel die Göttinnen und auch das sprechende Schiff Argos. Unter den grandiosen Kumpeln ist Luca Füchtenkordt auch der bullige Herkules, einer jener starken Freunde, die man im Leben manchmal hinter sich lassen muss. Und Johannes Kienast glänzt unter anderem als körperlich aufdringlicher Proll-Gemahl der Königin Arete.

Viel Applaus für ein so poetisches wie actionreiches, humorvolles wie berührendes Theaterspiel, das ab 13 gedacht ist, aber auch Älteren dringend zu empfehlen ist.

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