La clemenza di Tito | ©thomas m. jauk
 
Musiktheater

La clemenza di Tito

 
Gewählter Termin

Einführungsmatinee

Sonntag, 04.02.2018 um 11:15 Uhr

Kleines Haus

Aktuell keine Termine geplant.

Opera seria in zwei Akten von Wolfgang Amadeus Mozart
Libretto von Caterino Mazzolà nach Pietro Metastasio
in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

 

Seine letzte Oper ist gleichsam jene, die Mozart die größte Kritik eingebracht hat, huldigt er doch ausgerechnet dann der Aristokratie, als die Französische Revolution Europa in neues Licht tauchen sollte. Aber jene Aristokratie tat sich schwer, diesen Titus zu verstehen, der selbst in den Trümmern seines Palastes noch zu verzeihen vermag. Schließlich entpuppt sich dieser »Tito« als weniger rückschrittlich, als man ihm unterstellte, zeigt sich nicht nur ein Herrscher als vernunftbegabt und mitleidsvoll, sondern auch musikalisch durch den Aufbruch der starren Strukturen der Opera seria dem Volk gleichgestellt.

Für diese Produktion dürfen wir Regielegende Jürgen Flimm am Staatstheater Braunschweig als Gast begrüßen.

Aufführungsdauer ca. 2 Stunden und 40 Minuten inkl. Pause

 

Pressestimmen

Seit vielen Jahrzehnten schon zählt Jürgen Flimm zu den einflussreichsten und wichtigsten Regisseuren im Opernbereich. Am Sonnabend feierte seine Neuinszenierung von Mozarts Oper »La Clemenza di Tito« Premiere am Staatstheater Braunschweig – und die wurde vom Publikum gefeiert.
[...] Tito selbst ist in Flimms Inszenierung ein Mann, der vor allem durch die ständigen Zurückweisungen durch Frauen geprägt ist: Denn jede Frau, die Tito heiraten will, liebt einen anderen und lehnt seinen Antrag ab. Dem jungen südafrikanischen Tenor Khanyiso Gwenxane gelang es wunderbar, Titos verletzliche und zutiefst menschliche Seite immer wieder zu zeigen.
Eine zusätzliche musikalische Herausforderung war, dass das Orchester nicht wie sonst üblich tief im Graben spielte, sondern etwas hochgefahren war, hatte Generalmusikdirektor Srba Dinić vorab erklärt. Und die dynamische Balance zwischen dem Staatsorchester Braunschweig und den Sängern auf der Bühne war in absolut jedem Moment einfach perfekt. Dazu entwickelten die Musiker unter Dinićs Leitung einen wunderbaren federleichten Klang. Und auf der Bühne lieferte das überwiegend sehr junge Sängerensemble eine wirklich phänomenale Leistung – allen voran Jelena Kordić als Sesto und Narine Yeghiyan als Vitellia.
Leider fehlte Jürgen Flimm krankheitsbedingt am Premierenabend – denn sonst hätte er mitbekommen, wie das Publikum seine visuell wunderschöne und psychologisch fein nuancierte Inszenierung mit langanhaltendem Applaus bejubelte.

Entscheidenden Anteil am Erfolg der Premiere, die mit mehr als zehn Minuten begeistertem Beifall und vielen Bravo-Rufen gefeiert wurde, hatte nicht minder die ausgesprochen geglückte musikalische Umsetzung. Auf der Bühne stand ein junges Ensemble, ausschließlich Rollendebütanten, das sich mit Verve in seine Rollen warf. In der Titelpartie brachte der südafrikanische Tenor Khanyiso Gwenxame seine fein timbrierte und klar geführte Stimme mit wirkungsvoller Autorität zum Einsatz. Die beiden Hosenrollen waren mit zwei ganz unterschiedlich gefärbten Stimmen besetzt. Jelena Kordićs Mezzosopran ist erdig, dunkel und ungemein flexibel, dabei durchaus von dramatischer Kraft, was ihrem Sesto starke Statur verlieh. Milda Tubelyté hingegen brachte als Annio ihren weichen, heller und runder gefärbten Mezzo blühend zum Klingen; nicht nur musikalisch, auch dramatisch ist es sehr wichtig, dass beide Partien in ihren unterschiedlichen Charakteren deutlich anders klingen, und an diesem Abend gelang das überzeugend. Ebenso war es bei den Sopranpartien. Narine Yeghiyan gab der Vitellia aristokratisches Format, ihr Sopran hat einen schönen, runden Strahl und ist von üppiger Klangfülle; wunderbar im Kontrast dagegen die Servilia von Jelena Banković, die mit leichter und heller Stimmfarbe berührende Töne erzeugte. Mit profunden Bass-Tönen gab schließlich Ernesto Morillo dem Publio Gewicht.
Der Chor des Staatstheaters stellte sich mit viel Flexibilität sehr gut auf einen angemessen schlanken, wenn nötig aber auch auftrumpfenden Mozart-Klang ein.
Generalmusikdirektor Srba Dinić, ebenfalls ein Debütant mit der »La clemenza di Tito«, trug sein Ensemble im wahrsten Sinne des Wortes auf Händen, indem er jeder Stimme den Raum gab, den sie zur Entfaltung brauchte. Er animierte das Staatsorchester Braunschweig zu transparentem, schlankem Spiel, mit vielen schön herausgearbeiteten instrumentalen Farben. 
Ein insgesamt sehr starker, eindrucksvoller Abend.

Den Mozart-Fans hing am Sonnabend der Himmel voller Geigen. »La Clemenza di Tito« ist sicher nicht die beliebteste Oper des ungebärdigen Musikgenies und auch dramaturgisch nicht die beste, aber wenn sie so blitzblank, feinperlig und sprudelnd musiziert wird wie jetzt vom Staatsorchester unter Srba Dinić, kann sie Freude machen. 
Dabei ist Dinić beileibe kein Weichzeichner. In der Ouvertüre wählt er einen schroffen Ton, vehemente Tempi, die Paukenschläge kommen trocken, das strahlt Machtbewusstsein aus. Mögen dazwischen Flöten und Geigen singen, uns erwartet eine Staatsaktion von tödlichem Ernst.
In der Folge ist Dinić vor allem den Sängern ein kostbarer Begleiter, da wird niemand zugedeckt, alles fein und aufmerksam akzentuiert, dürfen die Stimmen mit Bassettklarinette und -horn kammermusikalisch dialogisieren. Und Ricardo Magnus sorgt am Cembalo in den gut gekürzten Rezitativen für flotte Übergänge.
Es ist ein Fest der Stimmen. Jelena Kordić singt den zwischen seiner Freundschaft zu Titus und seiner Liebe zu Vitellia hin- und hergerissenen Sesto mit einer blühend schönen Mezzostimme, die Weichheit und zarte Farben ebenso hat wie kraftvolle Emphase und gewandte Koloratur. Noch eine Idee wärmer klingt der Annio von Milda Tubelytė, die in ihren Bewegungen perfekt als Junge durchgeht. Ihr Mezzo hat geschmeidige Fülle und gefällt besonders in der innigen, leuchtendfeinen Gestaltung. Dazu passt der weiche Sopran von Jelena Banković als Freundin Servilia. Während Sesto die dramatisch auftrumpfende Vitellia zur dominanten Partnerin hat. Gastsopranistin Narine Yeghiyan brilliert mit starker Stimme und sattsamer Tiefe für die in alle Richtungen führenden Ausbrüche ihres heftigen Charakters, hat die gehörige Flexibilität und Pracht.

Bei Mozart hieß »wahre Oper« Psychologisierung und Subjektivierung, so dass aus den Marionetten der Opera seria Menschen mit differenziertem Charakter wurden. Und damit sind wir bei der Braunschweiger Neuinszenierung des Regie-Altmeisters Jürgen Flimm, der die vielschichtigen Charaktere des jugendlichen Hofstaates um den römischen Kaiser sorgfältig herausgearbeitet hat – und das dürfte durchaus im Sinne Mozarts sein.
Die musikalische Verwirklichung war insgesamt von hohem Niveau, was zunächst ganz wesentlich an der souveränen Leitung des Braunschweiger GMD Srba Dinić lag. Mit dem am Premierenabend besonders gut aufgelegten Staatsorchester (tolle Soli der Holzbläser, vor allem Klarinette und Bassetthorn) erklang Mozarts meisterhafte Musik mit all ihren wundervollen Kantilenen, aber auch mit den Schroffheiten, die gerade im »Tito«, z.B. im kurzen Terzett des 1.Aktes, auffällig sind. Dabei sorgte Dinić in jeder Phase dafür, dass die Sängerinnen und Sänger Unterstützung aus dem Orchestergraben erfuhren. Die die Handlung nach vorn treibenden Rezitative verbanden sich auch mit Hilfe des versierten Cembalisten Ricardo Magnus aufs Feinste miteinander.
Das junge Sänger-Ensemble schlug sich mehr als nur achtbar: Da ist zuerst Narine Yeghiyan als Vitellia zu nennen, die schon bei ihrer ersten Bravour-Arie (»Deh, se piacer mi vuoi«) Szenenapplaus erhielt. Später in der großen Arie »Non piu di fiori« schienen die gefürchteten Höhen, die lockeren Koloraturen und vor allem die für einen Sopran unangenehmen Tiefen für die armenische Sopranistin kein Problem zu sein, was sich auch in der durchgehend intonationsreinen Stimmführung zeigte.
Sesto war Jelena Kordić anvertraut, die die innere Zerrissenheit des jungen Mannes glaubwürdig gestaltete. Ihr kräftiger Mezzo gefiel durch bruchlose Registerübergänge und sichere Höhen. [...] Milda Tubelytė, die schon länger zu einem der Braunschweiger Publikumslieblinge avanciert ist, war in der kleineren Partie des Annio zu erleben. Sie wusste erneut mit ihrem ausgesprochen kultiviert geführten Mezzosopran und ebenfalls gut nachvollziehbarer Darstellung zu gefallen. [...]
Das Premierenpublikum im gut besetzten Haus war hellauf begeistert und spendete lang anhaltenden mit Bravos gespickten Beifall.

In Braunschweig geht in dieser Spielzeit die alten Garde des Musiktheaters ein und aus. Im Herbst hatte die legendäre Mezzosopranistin Brigitte Fassbaender dort „Hänsel und Gretel“ auf die Bühne gebracht, nun war Jürgen Flimm am Staatstheater zu Gast [...]. Seine Ausstatter, die Schauspieler-Tochter Polina Liefers (Bühne) und Stephan von Wedel (Kostüme), verorten das Geschehen im zeitlichen Nirgendwo. Der Regisseur selbst konzentriert sich hier ganz auf die jeweiligen  Personen und ihre Verhältnisse. Er interessiert sich mehr für die Gefühle der Figuren als für die Logik der Handlung. Der genretypisch sonderbaren Geschichte von Liebe, Verrat und Vergebung tut das sehr gut. Die Stimmen des Sängerensembles können sich so vielversprechend entfalten.

Besetzung am 04.02.2018
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