Die sieben Todsünden | ©thomas m. jauk
 
Musiktheater

La porta della legge / Die sieben Todsünden

 
Gewählter Termin

Sonntag, 04.03.2018
18:00 bis 20:15 Uhr

Großes Haus

Einführung 17:15 Uhr

Alle Termine
Samstag, 05.05.2018
19:30 Uhr, Großes Haus
Einführung 18:45 Uhr
Freitag, 22.06.2018
20:00 Uhr, Großes Haus

Doppelabend:

La porta della legge
(quasi un monologo circolare)
Oper in einem Akt von Salvatore Sciarrino
Libretto vom Komponisten nach Franz Kafkas »Vor dem Gesetz«
in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln  

Die sieben Todsünden
Ballett mit Gesang von Kurt Weill
Textvon Bertolt Brecht
in deutscher Sprache mit deutschen Übertiteln

 

Jahre verbringt ein Mann vor der Tür zum Gesetz. Was auch immer er versucht, der Hüter dieser Tür lässt ihn nicht eintreten. Auch ist in all der Zeit niemand anderer erschienen. Im Sterben erfährt der Mann schließlich, dass diese Tür nur für ihn bestimmt gewesen sei und sich jetzt für immer schließe. Salvatore Sciarrino erzählt diese Episode aus Kafkas »Der Prozess« als musikalisch subtiles und auswegloses Musiktheater über die Hemmung, selbstbestimmt zu handeln.
In Kurt Weills »Die sieben Todsünden« hingegen versuchen die Schwestern Anna I und Anna II, ihr Schicksal in ihre eigenen Hände zu nehmen: Sie haben Louisiana verlassen, um in den kommenden sieben Jahren genug Geld für ein Haus für ihre Familie aufzutreiben. Ihre Mission gefährden jedoch allerlei Ablenkungen in Form von Faulheit, Stolz, Zorn, Völlerei, Unzucht, Habsucht und Neid – diese verkehren Brecht/Weill jedoch ins Pseudo-Positive und zeigen sie als einen Luxus, den sich nicht jeder leisten kann.

Aufführungsdauer ca. 2 Stunden und 15 Minuten inkl. Pause

 

Pressestimmen

Aniara Amos denkt gar nicht daran, sich auf eine Bürokratie-Satire einzulassen. Und auch eine theologische Diskussion von Kafkas Erzählung – die Übertretung des Gesetzes als Erfüllung menschlicher Bestimmung – interessiert sie eher im biologischen Sinn. Wie sie das in Braunschweig durchführt, das hat Zauber, Anmut, Witz. Denn der Mann in seinem Nackedei-Overall – Maximilian Krummen kann das ohne Sorge tragen – ist im Schritt ein Mann ohne Eigenschaften, also ohne primäre Geschlechtsmerkmale. Nur in seiner Phantasie – umgesetzt durch die heiteren Video-Animationen von Thomas Zipf – macht er seine Mannwerdung durch. [...] Die Baritone Ernesto Morillo und Maximilian Krummen, auch Iván López Reynoso als Countertenor (der im Anschluss mit erstaunlicher Eleganz »Die sieben Todsünden« von Kurt Weill dirigiert) bewegen sich durch Sciarrinos Rezitative, als sei das ihre musikalische Muttersprache.

Salvatore Sciarrinos 2009 in Wuppertal uraufgeführter Einakter »La porta della legge« ist sehr strikt und stringent durchkomponiert; und die Inszenierung von Aniara Amos fügte sich – so viel sei schon einmal verraten –hervorragend dazu ein. [...] Die allmählich sich entwickelnden Bilder gepaart mit den langsamen Bewegungen der Darsteller und den repetitiven Musiksequenzen entfalteten beim Zuschauer nach einer Weile eine beinahe hypnotische Sogwirkung. [...] Die Rolle des namenlosen Mannes wurde in der Premiere bravourös vom Bariton Maximilian Krummen gestaltet [...]. 
Entstanden ist »Die sieben Todsünden« 1933 in Paris – nach Weills Flucht vor den Nationalsozialisten – im Auftrag des Théâtre des Champs-Élysées. »Ballet Chanté« lautet der Untertitel dieses Werks – weil die Hauptrolle Anna in zwei separate Figuren aufgeteilt ist: eine singende Rolle und eine stumme Rolle, die üblicherweise mit einer Tänzerin besetzt wird. In Braunschweig erlaubte sich Regisseurin Aniara Amos einen cleveren Kniff, indem sie die singende Anna quasi als jugendliche Version der älteren, verhärmten und verstummten Anna umdeutete.  
Der Doppelabend am Staatstheater Braunschweig bewies auf eindrucksvolle und stellenweise sogar auch unterhaltsame Weise, welche kaum bekannten Kostbarkeiten im Opernrepertoire noch zu entdecken sind. Zwei großartige Werke, in einer klugen Inszenierung mit wunderbaren Sängern und Musikern - ganz klar: empfehlenswert.
Der komplette Hörfunkbeitrag bei deutschlandfunk.de ...

Das Staatsorchester gibt sich unter Alexis Agrafiotis’ umsichtigem Dirigat diszipliniert diesem Klangexperiment hin. Kräftiger schon intoniert Maximilian Krummen mit klangreinem Bariton als Mann auf der Bühne seine Erinnerung an das letzte Gespräch mit dem Türhüter. Wie er ein Leben lang Einlass begehrte. Wie es nun mit seinem Tod geschlossen wird, da dieses Gesetz offenbar nur für ihn aufgestellt, vielleicht sein eigenes Gewissen war. In einer zweiten Runde rezitiert ein Countertenor alles noch einmal, als Zeichen für die ewige Wiederkehr des Gleichen, das Gesetz erdrückt jeden. Iván López Reynoso gestaltet die Partie mit wunderbar klarem, parlandohaft artikuliertem Ton. In der Braunschweiger Inszenierung von Aniara Amos klingt sie aus dem Off, während Krummen noch einmal den Mann mimt. Als schwebten seine Gedanken nun im Raum. [...]
Nana Dzidziguri spielt [Anna II] anrührend als zittriges Hausmütterchen am Besen, das sich aufopfert und dazu noch die dreisten Ermahnungen zur Enthaltsamkeit ihrer karrieresüchtigen Schwester Anna I anhören muss. Natürlich erringt sie weder Triumph noch Lohn, wie der zynische Text verheißt. Sie fegt noch, als sich der Vorhang schließt. Dagegen spreizt sich Anna I als Siegerin. Sie ist bei Brecht die Managerin, die ihre Schwester nach den Gesetzen des Marktes verbiegt. Bei Amos ist sie als bunte Gitarre gekleidet und profitiert bis zum Kotzen von dem Luxus, den sie ihrer Schwester als Todsünden verbietet. Carolin Löffler bietet dabei die ganze Bandbreite der Diseuse auf, ist herrlich kraftvoll, auch mal schneidend im Ton, variiert gekonnt zwischen Gesang und Singsprechsentenzen. [...] Iván López Reynoso, jetzt als Dirigent, treibt das Staatsorchester mit Lust und Drive durch Weills eingängige Melodien. Das klingt nach der prominenten musikalischen Sackgasse Sciarrinos wie ein Befreiungsschlag, als jubelten die Instrumente, sich in den oft karikatural zugespitzten Populärformen auszutoben.

Besetzung am 04.03.2018
Für die Ansicht abweichender Besetzungen bitte in der linken Spalte den gewüschten Termin auswählen.

keyboard_arrow_up

Die Veranstaltung wurde vorgemerkt

↦ Zu meinen gemerkten Veranstaltungen gehen
↦ Hinweis schließen