Was ihr wollt | ©thomas m. jauk
 
Schauspiel

Was ihr wollt

 
Gewählter Termin

Einführungsmatinee

Sonntag, 21.01.2018 um 11:15 Uhr

Kleines Haus

Alle Termine
Sonntag, 29.04.2018
14:30 Uhr, Großes Haus
Einführung 14:00 Uhr

mit Kinderbetreuung (ab 3 Jahren), Anmeldung bis 26.04.: besucherservice@staatstheater-braunschweig.de

Donnerstag, 10.05.2018
19:30 Uhr, Großes Haus
zum vorletzten Mal
Einführung 19:00 Uhr
Dienstag, 29.05.2018
19:30 Uhr, Großes Haus
zum letzten Mal
Einführung 19:00 Uhr

William Shakespeare

 

Die Überlebenden einer Schiffskatastrophe stranden an der Küste Illyriens, einem phantastischen Reich der Sehnsucht, bevölkert von Narzissten und Scharlatanen, alle sehnsüchtig, maßlos, verrückt und heillos in den Falschen verliebt. Niemand hier ist, was er scheint und doch setzen alle ihr Herz aufs Spiel. Aber was soll’s? Wir wollen Liebe, Reichtum, Rausch und Sex! Bescheidenheit können wir uns nicht erlauben.
Für den Regisseur Dariusch Yazdkhasti verspielen die Figuren aus Shakespeares berühmter Komödie allesamt ihr letztes Hemd, um als das geliebt zu werden, was sie zu sein träumen.

Aufführungsdauer ca. 2 Stunden und 30 Minuten inkl. Pause

 

Pressestimmen

Shakespeares »Was ihr wollt« berührt und unterhält zeitgemäß im Staatstheater.
Es gelingt Regisseur Dariusch Yazdkhasti und dem Ensemble im Großen Haus des Staatstheaters glänzend, en passant die Abgründe in Shakespeares grandiosem Verwirrspiel »Was ihr wollt« aufscheinen zu lassen. Auch das düstere, aber stimmige und funktionale Bühnenbild von Anna Bergemann unterstreicht den tragischen Hintergrund existenzieller Einsamkeit, vor dem sich die subtile bis derbe menschliche Komödie abspielt. Nicht, dass das Ensemble deren Komik nicht auch reichlich auskosten würde. Dafür sind namentlich Johannes Kienast und Georg Mitterspieler als Sir Toby Rülps und Sir Andrew Bleichenwang zuständig. Die beiden spielen die nichtsnutzigen Adligen schlüssig als schluffige Edelprolls, die sich am Pool des Anwesens von Gräfin Olivia, Sir Tobys Cousine, die Tage und Nächte schöntrinken.
In dieses dekadente Mallorca-, beziehungsweise Illyrien-Idyll, wie das Phantasieland bei Shakespeare heißt, platzt Viola herein, die eine Schiffskatastrophe dorthin verschlägt. Als Page Cesario verkleidet, tritt sie in die Dienste des Herzogs Orsino, der es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, Gräfin Olivia anzuschmachten. Valentin Erb gibt ihn hingebungsvoll als in die eigene Leidenschaft verliebten Schwärmer. Orsino schickt Viola-Cesario als Liebesboten zu Olivia. Aber die verliebt sich – in den Boten. Und der hat sich – längst in den Herzog verguckt. Vanessa Czapla macht anrührend ihre Verwirrung als verkleideter, begehrter Jüngling und unerkannt liebende Frau glaubhaft. [...]
Cino Djavid spielt beide Seiten dieser tragikomischen Figur [Malvolio] gekonnt und dann auch berührend aus, die eitle, herrische Verwalterattitüde und die tiefe Gebrochenheit, als ihn das Trio infernale so grausam demütigt. Stark auch, wie Kienast, Mitterspieler und Isabell Giebeler als kesse Maria reichlich komische Funken schlagen, ohne die Schattenseiten ihrer Charaktere zu unterschlagen. So entwickelt sich zwischen den Polen tief komisch und zu traurig ein unterhaltsamer und berührender Theaterabend, zu dessen Poesie auch die live gespielte Bühnenmusik und der melancholische Wortwitz des alternden Narren (Tobias Beyer) beiträgt. Jubel im gut gefüllten Großen Haus. Dieser Abend ist eine Empfehlung.

Das wild wogende Meer beruhigt sich, und die Wasserfläche verwandelt sich in einen Pool, an dem Schmarotzer und reiche Müßiggänger ihre sinnleere Zeit mit Koksen, Saufen und infantilen Späßen totschlagen. Damit kommt eine kritische Dimension in die poetische Inszenierung. Und während das Bühnenbild von Anna Bergemann Tiefe und Höhe des Theaterraums durch überraschende Veränderungen immer wieder lebendig macht und ins Spiel einbezieht, lotet die Regie die Tiefenschichten von Liebe, Brutalität und Menschlichkeit aus, und in der perennierenden Nachtschwärze bekommen alle Figuren einen breughelschen Charakter. Quel immense plaisir du théâtre!
Es gehört zum ungewöhnlich weiten künstlerischen Horizont dieser Braunschweiger Produktion, dass die alten vertrauten komischen Gestalten von Rülps, Bleichenwang und Narr zwar rollenadäquat aufgefasst werden, aber so, wie man sie noch nie gesehen hat, nämlich seriös. Das heisst anrührend, nicht lächerlich. Und nun erst die noblen Gestalten Orsino, Viola, Sebastian. Sie ergänzen die reiche Inszenierung durch den Ton der Redlichkeit. 
Die Menschlichkeit von Dariusch Yazdkhastis Theaterauffassung zeigt sich darin, mit welcher Liebe er sich dem Schicksal der kleinen Figuren zuwendet. Wie er Antonio und Bleichenwang einen Moment lang den schüchternen Traum eines gemeinsamen Glücks zugesteht und wie er zum Finaljubel der glücklichen Paare den Auftritt des geschundenen Malvolio mit seinem Haupt voll Blut und Wunden in Kontrast setzt, das unterstreicht, dass großes Theater nur durch eine große künstlerische Spannweite zustandekommt.

Besetzung
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