Braunschweig liegt am Meer


Seit Beginn der neuen Spielzeit 2017/18 gibt es am Staatstheater Braunschweig – mit Ausnahme von vier Schauspielern, die im Ensemble geblieben sind – ein neues Ensemble und eine neue Schauspielleitung.Wir, das neue Team, laden Sie ein, gemeinsam mit uns auf Reisen zu gehen, neue Orte zu entdecken, neue Menschen kennen zu lernen, neue Geschichten zu erzählen. Welch ein Glück, dass Braunschweig am Meer liegt und seine Bewohner über jede Zufahrtstrasse in alle Welt und bis ins Weltall fliegen können! Sie meinen, das ist eine Lüge? Wir glauben, das ist eine Frage der Definition. 

»Auf die Schiffe, ihr Philosophen!«, so beschwor Friedrich Nietzsche die Seefahrt als Form des Übergangs zu etwas Neuem. Das ist der neue Geist hier: keineswegs ein billiger Optimismus oder gar Aktionismus, sondern ein Übergang voller Brüche, deren Folgen nicht vorhersehbar sind – so wie unsere Zukunft in der »Festung Europa« schreibt Gunnar Decker in der Januarausgabe 2018 in »Theater der Zeit« über den Anfang der neuen Intendanz.

Nach den ersten zehn von insgesamt siebzehn Premieren und Übernahmen haben wir einen Querschnitt aus den bisherigen Kritiken zusammengestellt, um einen ersten Eindruck zu vermitteln.

Haus der gebrochenen Herzen
Shaw nannte sein Stück eine »zornige Komödie«, bei Schlingmann wird daraus ein groteskes Tableau. Und das auf eine großartige Weise! Permanent verwechseln hier alle Realität und Traum. Die Snobs kultivieren einen ranzig gewordenen Narzissmus. Die Rituale laufen leer. Man träumt von großen Taten und rührt nicht den kleinen Finger… Lauter starke Schauspieler, fähig, jeden Anflug von Naturalismus ins Absurde zu verwandeln, kommen hier zusammen. Lauter echte Typen, keine Musterschüler!
Theater der Zeit, Januar 2018

Moby Dick
Die schräg aufgezogenen Planken, blendendes Licht, den Text übertönende Hocksongs vom Band erzeugen spannende Crescendos.  Dabei ist die Sichtbarkeit der Maschinerie (Bühne: Anna Bergemann) zugleich Verweis auf die distanzierende Brechtsche Spielvereinbarung zu Beginn des Stücks wie auf die barocke Theatermetapher, die auch den Roman kennzeichnet. Auch das chorische Sprechen ist ein starkes Mittel, um die Mannschaft als Menschheit vorzustellen.
Braunschweiger Zeitung, 25. September 2017
»Moby Dick«, in der Regie von Tim Tonndorf, zeigt, dass man auf einer Schiffsreise die Grundthemen menschlicher Existenz, die Fragen nach Gut und Böse, immer mitnimmt. Mehr noch: In diesen Formen des Übergangs – auch dem vom Jäger zum Gejagten! – spitzen sie sich in der klaustrophobischen Enge eines Walfängers endzeitlich zu.
Theater der Zeit, Januar 2018

Stella Incognita
Das Weltraumabenteuer »Stella incognita« ist modern und mitreißend erzählt… Die Astronauten spielen für die Fans zu Hause in Videoschaltungen Gitarrensongs und berichten in Logbucheinträgen… Autor und Regisseur Nils Zapfe stellt Einsamkeit, Überforderung und Aufbruchstimmung in einprägsamen Szenen dar... Langer, starker Beifall mit Trampeln.
Braunschweiger Zeitung, 26. September 2017

Novecento. Die Legende vom Ozeanpianisten
Ein Dauerbrenner, der von Schauspieler Götz van Ooyen wieder zu Leben erweckt wird, denn er schafft es auch 17 Jahre nach der Uraufführung und rund 200 Wiederholungen später mühelos, das Publikum in seinen Bann zu ziehen. Ermüdung, Routine - nichts davon ist zu spüren. Mal flüsternd, mal donnernd, mal ironisch, mal anrührend springt er von Figur zu Figur und zaubert in Nullkommanix ein ganzes Ensemble auf die Bühne.
Braunschweiger Zeitung, 11. Oktober 2017

Wenn die Gondeln Trauer tragen
Großartige Verzweiflung im Kleinen Haus: »Wenn die Gondeln Trauer tragen« trifft ins Mark. ... Der Soundtrack gibt dem Wahn eine Textur. Er gibt den Ton an und bleibt doch unaufdringlich… Das Publikum applaudiert mittendrin spontan. Musik und Schauspiel verstehen sich prächtig... Alle Schauspieler überzeugen, doch heraus ragt Roman Konieczny als John Baxter. Er bringt Humor in das Tragische... Am Ende Applaus mit Händen und Füßen - die Band muss eine Zugabe spielen. Das Publikum steht nur zögerlich auf; zu tief sitzt der Eindruck.
Neue Braunschweiger, 21. Oktober 2017

Spiel mir das Lied vom Tod
Gehre gibt sich nicht damit zufrieden, einen einfachen Western zu inszenieren oder in Klischees zu überhöhen - immer wieder wird auf die aktuelle USA rekurriert, etwa wenn die Stadt Sweet Water sich in einer langen Kamerafahrt von einer Westernstadt zu einer modernen Stadt mit Wolkenkratzer-Skyline mausert. Spiel mir das Lied vom Tod befasst sich mit ihrem Gründungsmythos, und ist von Gehre mit viel Liebe zum Detail, komplexer Kameraarbeit und einem spielfreudigen Ensemble - allen voran Yevgenia Korolov als Jill McBain und Robert Prinzler als Morton – umgesetzt.
nachtkritik.de, 04. November 2017
Die multimediale Wahrnehmungsverunsicherung erbringt den eindrucksvollen Beweis, dass gerade in solchen Kontexten der Schauspieler Dreh- und Angelpunkt der Aufführung bleibt. Sind Jill McBain (Yevgenia Korolov) oder Frank (Götz van Ooyen) nun Bühnen- oder Filmfiguren? Oder ist diese Trennung eine antiquierte Perspektive?
Theater der Zeit, Januar 2018

Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer
Ja, so macht Theater Spaß. Jim Knopfs und Lukas Reise zur Rettung der entführten Prinzessin Li Si wird im Staatstheater zu einem phantasievollen Bilderbogen aus immer wieder verblüffenden Szenenwechseln, witzigen Effekten, gekonnter Spannungssteigerung und vor allem seelenvoll ausgespielten Situationen zwischen Menschen, die uns in Angst, Mut und Anteilnahme nahekommen... Gute Stimmung, viel Applaus, dieses Weihnachtsstück kann man jedem empfehlen, groß wie klein, weil es auch zeigt, wie die Zauberkiste Theater funktionieren kann.
Braunschweiger Zeitung, 13. November 2017

Die Frau vom Meer
Da sind das Meer, genauer, ein vor sich hin dümpelnder Bodden, und eine Frau, die zu ertrinken droht. In jenem Meer, das sie in sich trägt. Denn eine Handbreit unter der Oberfläche beginnt bereits der Surrealismus der Traumwelt. Auch diese verheißt Ferne und droht mit Ertrinken. … Dieser selten gespielte Ibsen besticht durch das Zugleich von Traumverborgenheit und schrillem Alltagskampf, der zum Lebenskrampf wird. Das Liebesmotiv scheint dabei vom Todesmotiv nicht trennbar.
Theater  der Zeit, Januar 2018

Der Pol
Das Quartett schafft eine unaufdringlich eindringliche, melancholische Stimmung, sanft untergraben von der tragikomischen Note, die die vier wankenden Kreaturen auch haben... Im Aquarium legt Scott, nachdenklich unbeugsam gespielt von Gertrud Kohl, schließlich den Kopf an die Schulter Evans' (Roman Konieczny). Das gesamte Quartett mit Johannes Quester und Oliver Ziegler verkörpert den Todeskampf im Eis eindringlich, bei aller bitteren Komik würdevoll und auch musikalisch überzeugend.
Braunschweiger Zeitung, 21. November 2017

Die nächsten Vorstellungstermine

Junges Staatstheater
Djihad
Termin am 23.01.

Produktionen

Schauspiel
Was ihr wollt
Premiere am 27.01.

Ensemble

Tobias Beyer
Andreas Bißmeier
Konstantin Bühler
Vanessa Czapla
Cino Djavid
Valentin Erb
Luca Füchtenkordt
Isabell Giebeler
Johannes Kienast
Gertrud Kohl
Roman Konieczny
Yevgenia Korolov
Klaus Meininger
Georg Mitterstieler
Saskia Petzold
Robert Prinzler
Mattias Schamberger
Joshua Seelenbinder
Larissa Semke
Saskia Taeger
Heiner Take
Götz van Ooyen

Gäste 


Björn Jacobsen, Christiane Motter, Johannes Quester, Katharina Wittenbrink

Hinter den Kulissen


Schauspielleitung Claudia Lowin (Leitende Dramaturgin), Christoph Diem (Hausregisseur)
Dramaturginnen Franziska Betz, Alexander Kohlmann, Holger Schröder
Regie Alice Buddeberg, Christoph Diem, Deborah Epstein, Klaus Gehre, Christopher Haninger, Mario Holetzeck, Marcus Lobbes, Philipp Preuss, Dagmar Schlingmann, Antje Thoms, Tim Tonndorf, Dariusch Yazdkhasti, Nils Zapfe
Bühne und Kostüme Ramallah Aubrecht, Florian Barth, Anna Bergemann, Katrin Gerheuser, Wolf Gutjahr, Julia Hattstein, Martina Küster, Sabine Mader, Inge Medert, Karina Nölp, Rahwa Oreyon, Ramona Rauchbach, Sandra Rosenstiel, Josephin Thomas, Gregor Wickert
Musik Stefan Paul Goetsch, Pär Hagström von »Next Stop: Horizon«, Kornelius Heidebrecht, Alexandra Holtsch, Fred Kerkmann, Michael Lohmann, Marc Sauer, Achim Schneider, Daniel Weber, Jörg Wockenfuß, Oliver Ziegler
Video Konny Keller, Florian Barth
Regieassistenz Katharina Binder, Theo Voerste, Antonie Zschoch
Inspizienz Heiko Angerstein, Simone Großmann
Soufflage Katja Gliese

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