Nach Irmgard Keun in einer Bearbeitung von Regina Wenig
Kühn, wild und rauschhaft – ein Leben auf Messers Schneide: Das ist Irmgard Keun, eine der erfolgreichsten Autorinnen der Weimarer Republik. Ein Leben am Abgrund: Alkoholexzesse, Exil und Verarmung, auch das ist Irmgard Keun.
»Etwas Liebe muss schon dabei sein, wo blieben sonst die Ideale?« sagt Doris, die blutjunge Protagonistin aus Keuns berühmtestem Roman, »Das kunstseidene Mädchen«, der 1932 erschienen ist. Doris träumt vom Erfolg, vom Theater und vom Kino, »ein Glanz« will sie werden, raus aus der Armut, der Provinz, nach Berlin reißt sie aus, dem verheißungsvollen Sehnsuchtsort. Knallhart ist das Leben dann dort. Sich selbst muss sie zu Markte tragen. In ihrem Lebenshunger gleicht Doris ihrer Schöpferin: schnoddrig, witzig, pointiert und voller Herz.
Die Theatermacherin Regina Wenig, die sich 2021 für das JUNGE! Schauspiel in Braunschweig bereits mit Sophie Scholl auseinandergesetzt hat (»Freiheit und Widerstand«), stellt in ihrer Inszenierung Irmgard Keun neben Doris, das »kunstseidene Mädchen«. Und sie blickt nach vorne, lässt die Träume dieser Frauen weiterwandern, in eine hoffentlich verheißungsvolle Zukunft.
Aufführungsdauer: ca. 2 h 30 min, eine Pause
Content Notes: Im Stück werden Suizid und sexualisierte Gewalt thematisiert. Es wird über Nationalsozialismus und Krieg gesprochen, ebenso über Flucht und Vertreibung. All dies auf einer sprachlichen Eben. Irmgard Keuns Alkoholismus wird dargestellt.
»Mariam Avaliani trifft in der Stückfassung, die jetzt im Großen Haus des Staatstheaters Braunschweig Premiere hatte, wunderbar den Ton für dieses Leben in ständiger Aufbruchsstimmung. Immer wieder zuversichtlich, von glücklichen Wendungen begeistert, von unglücklichen nicht entmutigt, erfasst sie sehr schön den Lebensmut, das sachliche Wägen und die Konsequenz manchmal bis in alle Traurigkeit, wie es Doris‘ wechselvolle Geschichten als alleinstehende junge Frau im Moloch Berlin der späten Zwanziger Jahre ergeben.«