Felicia Zeller
Uraufführung
Das Gesundheits- und Rentensystem ist hochkomplex. Es ist intransparent, wohlmöglich ungerecht. Es ist absurd. Es geht um viel Geld und es betrifft uns alle. Ein Minenfeld wie gemacht für Felicia Zeller. Welchen Weg nimmt ein Antrag? Warum werden Ansprüche abgelehnt, die Beweislast verkehrt? Wer hat die Deutungshoheit über schwer lesbare, aber jammervolle Zustände wie z. B. Long-Covid? Was ist eine für meinen Antrag fatale F-Diagnose? Und was geschieht nach dem Widerspruch und vor dem Sozialgericht? Dann finden sich besondere Menschen gemeinsam mit besonderen Fällen zusammen: im Sozialgericht.
Felicia Zeller gehört zu den erfolgreichsten und meistgespielten Autor:innen der Gegenwart. Sie hat zahlreiche Preise, u. a. den Else-Lasker-Schüler-Preis vor allem für ihr dramatisches Werk erhalten und dabei einen ganz eigenen Stil entwickelt: ein hochmusikalisches und mithin hochkomisches Verheddern in der Sprache; Sprechen als Ausdruck der gesellschaftlichen und psychologischen Überforderung. Die Soziotope ihrer Stücke sind ABM-Maßnahmen, Kinderwunschkliniken, Ämter und Behörden. Kafkas Welten. Viele ihrer Stücke sind für den Mülheimer Dramatikpreis nominiert worden, wie auch »Der Fiskus«, das Christoph Diem 2019 in Braunschweig zur Uraufführung brachte. Mit Christoph Diem, Schauspieldirektorin Ursula Thinnes und mit der Ex-Intendantin Dagmar Schlingmann verbindet Felicia Zeller eine über zwanzig Jahre andauernde kontinuierliche Zusammenarbeit.
Aufführungsdauer: ca. 2 h 35 min, eine Pause
»Regisseur Christoph Diem hat sich mit Florian Barth als Verantwortlichem für Ausstattung und Video für eine andere ästhetische Überformung entschieden, die atmosphärisch stark gelingt: Mal erleben wir die Figuren im Live-Video aus anderer Perspektive. Mal wehen nur die Gardinen aus Elkes verdunkeltem Zimmer zu zartem Gesang. Richtig stark die Verfremdung durch Aufnahmen im Schnee, wenn die Bilder sich mehr und mehr in ein Corona-Virus-Raster auflösen.«
»Es ist ein schöner Balanceakt, den Zeller, Diem und das Ensemble des Staatstheater Braunschweig hinlegen: Einerseits ist "Tag der Ansteckung" ein leidenschaftliches Plädoyer dafür, Long Covid als körperliches Leiden ernst zu nehmen und intensiver zu beforschen – was tatsächlich erst heute, sechs Jahre nach Ausbruch der Pandemie, langsam in Angriff genommen wird. Andererseits ist es aber auch eine stellenweise sehr lustige Gerichtsgroteske, die genüsslich an Sollbruchsstellen im Gesundheitssystem operiert und sie schmerzhaft offen legt.«
»Nach der Uraufführung von „Der Fiskus“ im Januar 2020 am Staatstheater Braunschweig ist dieses „Sozialgerichtsdrama“, so der Untertitel, eine weitere Zusammenarbeit der Autorin mit dem Regieteam um Christoph Diem sowie dem Ausstatter Florian Barth. Dessen Bühne überzeugt, wo sie mit der spröden Metaphorik einer aus der Ordnung geratenden Landschaft steriler Bürotische operiert.«