©Joseph Ruben
 
Schauspiel

Der Fiskus (UA)

 
Termine
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Mittwoch, 29.01.2020
20:00 bis 21:50 Uhr

Aquarium

Einführung 19:30 Uhr

Aktuell keine Termine geplant.

Felicia Zeller
Stückauftrag des Staatstheaters Braunschweig
Eingeladen zu den 45. Mülheimer Theatertagen »Stücke« 2020

 

Steuern muss jeder zahlen? Wirklich jeder? Wie genau nimmt es eigentlich der gemeine Steuerzahler, vertritt er eine penible oder eher lockere Einstellung zur geltenden Rechtsauffassung? Wo findet er Steuerschlupflöcher? Und wer kennt sie nicht, die besten Steuertricks: Weniger arbeiten spart Steuern.
Felicia Zeller erzählt von Angestellten des Finanzamtes, die sich hineinträumen in CumEx-Existenzen oder in solche, in denen sie ihren Job als Bestverdiener glücklich hinter sich gelassen haben. Aber wenn sie wieder aufwachen, dann sehen sie sich mit Dienstaufsichtsbeschwerden und Drohbriefen von Rechtsanwälten konfrontiert. Illegales wird legalisiert und Wissenschaftler werden bezahlt, um das Steuerrecht im Sinne der Hinterzieher auszulegen. Reisen Sie auf Kosten des Finanzamts zu den Sehenswürdigkeiten dieser Welt! Setzen Sie Geburtstagsgeschenke ab! Schieben Sie das Getrenntleben vor Ihrer Scheidung, solange es geht, hinaus! Tun Sie etwas für Ihre Schönheit und setzen Sie es von der Steuer ab!

 

Aufführungsdauer: ca. 1 Stunde und 50 Minuten, keine Pause

 

Pressestimmen

»[…] herausgekommen ist eine herrliche kleine Innenansicht der Finanzbehörde. Für die Poesie der Verwaltungsapparate hat Zeller ohnehin ein Händchen. […] Ein Text, der sich flächig ausbreitet, der schwadroniert und monologisiert, der aber auch – selten genug in der neuen Dramatik – anrührende Figuren und pointierte Dialoge kennt. […] Saskia Petzold gibt […] Bea eine fabelhafte Zähigkeit und trockenen Humor vom Feinsten, der über alle Ehrbeschneidungen hinweghelfen soll. Ihre Bea ist der Inbegriff der duldungsfähigen Beamtin, beinahe selbstironisch an ihrer berufsmäßigen Nüchternheit und Kontrolliertheit nagend. [...]  Überhaupt weht bei allem Humor ein zarter Hauch des traditionsreichen Beamtentums mit seinem Pathos der Entsagung durch das Stück. […] In der Braunschweiger Uraufführung in der kleinen Spielstätte Aquarium durch den Spielstättenleiter Christoph Diem kommt Zellers »Der Fiskus« wie Unplugged-Theater daher. Der Raum hat in dieser Saison eine Einheitsbühne, ist als Kleingartenanlage eingerichtet mit Pergola, Gewächshaus und Kunstrasen auf dem Boden (Bühne: Sabine Mader). Ein paar Drehstühle und Aktenkartons stehen wohl eigens für diese Produktion herum. Sonst vertraut man ganz aufs unmittelbare Spiel der Akteure, umringt vom Publikum. […] Gertrud Kohl stammelt sich als Nele wundervoll durch die elliptischen Gebilde der Zeller-Prosa, Larissa Semke ist als leises Hascherl Elfi ständig bereit, jede ihrer älteren Kolleginnen offensiv zu bewundern. Tobias Beyer stiehlt sich als Reiner sehr laid-back zu Gospel-Jams davon. Und als rätselhaftes Feenwesen Fatma schwirrt Naima Laube mit Mikroportverstärkung und Halleffekt umher. […]  Zeller hat uns nicht die Hölle, sondern die Schönheit der Verwaltung aufgewiesen. Selten wirkte der Fiskus anmutiger.«

»[…] Zeller [verschränkt] unterhaltsam eine grau grinsende Büro-Komödie mit einer schwarzbösen Weltfinanz-Groteske. Kraftzentrum ist Bea (Saskia Petzold). Die altgediente Beamtin, die mit geschmerzter Miene ihre fachliche Überlegenheit ausspielt, vergeblich naturgemäß, ist sie doch soeben bei der überfälligen Beförderung übergangen worden. Mit dem Trotz der Zukurzgekommenen und der grimmigen Moral der abgekämpften Kämpferin für so etwas Absurdes wie Steuergerechtigkeit verbeißt sie sich in einen heftigen Fall von Steuerbetrug. […] Die Inszenierung geht auf kargem Gestühl mitten im Publikum temporeich und pointensicher über die Bühne. Eine knallenden Tür wird effektvoll eingesetzt, wenn es darum geht, sich zornige Steuerbürger vom Hals zu halten – und sie notgedrungen einzulassen. Denn das ist es letztlich, was Zellers Stoff über eine Satire frustrierter Beamtenseelen erhebt: Sie zeichnet auch ein letztlich sympathisches Bild einer Schicksalsgemeinschaft lauter charakterlich lädierter Davids gegen die Finanz-Goliaths und ihre Helfershelfer. […] Steuerhinterziehung eben nicht als Kavaliersdelikt, sondern als »ganz großes Verbrechen«. Das mag als Erkenntnis nicht rasend neu sein. Doch hier liegt darin bei allem Witz doch eine irgendwie anrührende Ehrenrettung des viel geschmähten, oft beschimpften, gern ausgetricksten, trostlos schlecht ausgestatteten Mängelwesens Finanzamt.«

»Die Aufführung hält […] die Balance zwischen karikierender Zuspitzung, humorvoller Selbstreflexion und pointierter Dokumentation des Beamten- Wehleids. Wobei meist mit den Figuren, nicht über sie gelacht wird. Besonders elegant geht das Ensemble mit Zellers Sprache um, den musikalisch getriebenen, floskelhaften Satzverkürzungen und Wortfindungsstörungen. Ein raffiniertes Kunstidiom, das häufig der Realität abgelauscht ist und die Kämpfe der an und mit Sprache scheiternden Figuren zeigt. Kein Gedanke wird zu Ende geführt, sodass Zuhörer ihn zu Ende denken müssen, was sie prima einbezieht ins Geplauder. […] Saskia Petzolds Darstellung der Bea ist kühn trotzig, traurig bockig, aufdringlich besserwisserisch, herrlich resolut, tapfer verbiestert und schwarzhumorig. Eine Frau, die wohl kaum jemand zum Essen einladen würde, deren Verhärtung aber auch berührt. Alle anderen Darsteller agieren wesentlich oberflächlicher. Die Regie hält sie lässig zurück bei diesem Stück, das so witzig wie klug eine niedrigschwellige Auseinandersetzung über Sinn, Unsinn und Realität der angewandten Steuerpflicht ermöglicht.«

Besetzung
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