©Björn Hickmann/ stage picture
 
Musiktheater

Eugen Onegin

 
Termine
Dienstag, 21.04.2020
19:30 Uhr, Großes Haus
Einführung 18:45 Uhr
Samstag, 09.05.2020
19:30 Uhr, Großes Haus
Freitag, 22.05.2020
19:30 Uhr, Großes Haus

Lyrische Szenen in drei Aufzügen von Peter I. Tschaikowsky
Libretto von Konstantin S. Schilowsky und Peter I. Tschaikowsky
nach Alexander S. Puschkins Versroman »Eugen Onegin«
in russischer Sprache mit deutschen Übertiteln

 

»Ich wünsche nichts, was Bestandteil der sogenannten Großen Oper ist. Ich halte Ausschau nach einem intimen, aber kraftvollen Drama, das aufgebaut ist aus dem Konflikt, der mich wirklich berührt«, schrieb Tschaikowsky. Genau einen solchen Stoff sollte er dann mit Puschkins »Eugen Onegin« finden, in dem sich die verträumte Tatjana auf den ersten Blick in den unsteten Onegin verliebt. Dieser aber weist sie zurück und es entspinnt sich eine intime Geschichte über die Unumkehrbarkeit von Entscheidungen und verpasste Liebe. Diese setzte Tschaikowsky in melancholisch berührende Musik und schuf damit die vielleicht erfolgreichste russische Oper.

 

Aufführungsdauer: ca. 3 Stunden, eine Pause

 

Pressestimmen

»[…] Isabel Ostermann ist in ihrer Inszenierung von Tschaikowskys melancholischer Oper im Staatstheater ganz den Individuen zugewandt. […] In Tschaikowskys »Lyrischen Szenen« betreibt sie Kammerspiel […] und wieder ist es Maximilian Krummen, der in der Titelrolle die Weltsicht beglaubigt. […] Die kargste ist Ostermanns stärkste Szene des Abends: Die Polonaise als Ausbund der Konvention treibt Onegin auf dem öden Duellplatz umher, sein Lachen ist jetzt nahe am Verrücktsein, er schnappt sich die Leiche, will mit dem toten Lenski tanzen, dann springen beide wie in glücklichen Tagen zusammen übers Feld. […] Krummen gibt diesen hochfahrenden Egozentriker mit auftrumpfendem Bassbariton, markig im Ton, nicht lyrisch, immer eher Draufgänger, Spötter, Brausekopf. Als er Tatjana Jahre später wiedertrifft, sind seine Liebesgeständnisse eher Forderungen, die er mit gezogener Pistole (gegen sie, gegen sich) durchsetzen will. Doch Tatjana hat ihre Lektion gelernt. […] Unnahbar schön in ihrem edlen Kleid, schiebt sie den Rollstuhl ihres Gatten Gremin. […] Mit fülligem Bass singt Valentin Anikin dessen pflichtschuldige Liebesarie. Ivi Karnezi verstrahlt mit ihrem kräftigen Sopran Wärme und Würde, so wie sie in der Briefszene zu Beginn eine glaubhaft jugendliche Gestalterin war. […] Prima spielt Joska Lehtinen das unbeschwerte Ungestüm des jungen Lenski, gestaltet mit klarem, hellem Tenor die Selbstaussprache vorm Duell. Milda Tubelyte singt mit schön rundem Mezzoton die Olga, Zhenyi Hou gibt mit weichem Alt die Amme und Edna Prochnik mit allerlei Schärfen die Larina. […] Der goldgerahmte Raum am Ende ist ein Bruch, spielte doch alles sonst auf offener Bühne. Dass sich Tatjana dort am Tisch zu ergrauter Mutter und Schwester gesellen muss, schließt den Bogen zum Beginn: das Glück in der Gewohnheit – trostlos. Srba Dinic am Pult des Staatsorchesters untermalt die melancholischen Lieder rücksichtsvoll, gibt erst in den folkloresatten Chören und Tänzen leuchtenden Schwung. […]  Schön ausgewogen klingen die Chöre. Am Ende viel Applaus.«

»[...] Durch die äußerliche Kargheit kommt die Regisseurin dem angestrebten Ziel Tschaikowskys entgegen, die Beziehungen der handelnden Personen und deren Konflikte in den Vordergrund zu stellen. Auch dadurch, dass die Protagonisten oft an der Bühnenrampe standen und ihre Gedanken ins Publikum sangen, wurden die inneren Vorgänge der handelnden Personen sinnfällig verdeutlicht. […] Vom Sängerensemble ist Erfreuliches zu berichten: An erster Stelle ist Ivi Karnezi als Tatjana zu nennen, die die zurückhaltende, schwärmerische Jugendliche und später die gereifte, treue Ehefrau glaubhaft gestaltete. Sie führte ihren ausdrucksvollen Sopran sicher von den ruhigen, lyrischen Passagen bis in leidenschaftliches Forte. Maximilian Krummen gab den Onegin anfangs weniger als arroganten Schnösel, wie man es oft erlebt, sondern eher als netten harmlosen Mann aus der Nachbarschaft. […] Mit engagiertem Spiel gefiel als Lenskij Joska Lehtinen, der mit klarem, prägnantem Tenor beeindruckte. Olga war Milda Tubelytė, die einmal mehr durch munteres Spiel und kultiviertes Singen für sich einnahm. Mit starkem, an hochdramatische Partien gewohntem Mezzo füllte Edna Prochnik Larina aus. Zhenyi Hou hatte die Amme Filipjewna als gebrechliche alte Frau zu geben [..]. Die kleineren Partien waren mit Rainer Mesecke (Saretzki), Sungmin Kang (als stimmschöner Triquet) und Peter Hamon (Hauptmann) rollengerecht besetzt. Wie gewohnt entwickelte der von Georg Menskes und Johanna Motter einstudierte Chor prächtigen, ausgewogenen Klang […]. Das Publikum […] bedankte sich bei allen Mitwirkenden der Produktion mit starkem Beifall […].«

»Die Neuinszenierung von Tschaikowskys Eugen Onegin am Staatstheater Braunschweig steht ganz im Zeichen der Innenperspektiven, des tiefen Blicks in die Figuren und ihre Emotionen. Isabel Ostermann, Operndirektorin des Braunschweiger Hauses, und ihr Bühnenbildner Stephan von Wedel reduzieren den äußeren Rahmen auf wenige Elemente. Ein Halbrund, das die Bühne begrenzt und immer wieder in verschiedenen Farben beleuchtet und durch das Spiel mit Licht und Schatten als Projektionsfläche genutzt ist; ein paar bunte Lampions für das Fest bei Larina, Kronleuchter für das Haus Gremins, am Ende ein goldener Rahmen, der in kleinerem Format den das Bühnenportal des Hauses umgebenden Rahmen nachbildet – viel mehr an Dekoration gibt es nicht, die Konzentration ist klar auf die Beziehungen zwischen den Figuren gerichtet. Die Kostüme von Julia K. Berndt deuten die Zeit der Geschichte und typisch russisches Flair an, brechen das aber zugleich auch – der historische Rahmen ist nicht unwichtig, steht aber nicht im Zentrum, um die Geschichte erzählen zu können. […] Maximilian Krummen ist ein sehr junger Onegin und spielte die Rolle, zumal in diesem Kotext, sehr überzeugend. Im Lauf des Abends konnte er seinen lyrischen Bariton immer klarer und intensiver fokussieren und so gelangen ihm insbesondere die letzte Begegnung mit Lenski sowie der Schluss sehr eindrucksvoll. Ivi Karnezi als Tatjana fand in der langen Briefszene wunderbar innige, introvertierte Farben; sie legte ihr Rollenporträt insgesamt eher zurückhaltend an, was den wunderbaren Lyrismen, mit denen sie ihren rund und klar geführten Sopran durch die Partie bewegte, nichts abtat, im Gegenteil. Besonders überzeugend gelang auch ihr die Darstellung ihrer Rolle, am Anfang ganz auf eine Außenseiterin ausgerichtet. […] Generalmusikdirektor Srba Dinić holte mit dem Staatsorchester Braunschweig die vielen zarten, sanften Farben der Partitur sehr schön hervor, was der Sicht auf das Innenleben der Figuren nur entgegenkam. Daneben wirkten die wenigen dramatischen Höhepunkte umso stärker, der Spannungsbogen zwischen diesen Gegensätzen gelang dicht und hielt bis zum Ende an […]«

»Es geht um Hochmut und Leichtsinn, um Entsagung und Ehrgefühl, um schmerzhaft unterdrückte Homosexualität und schwärmerisch auffliegende Liebe. Am Staatstheater Braunschweig hat nun die Regisseurin Isabel Ostermann diese Klang gewordene Seelenlandschaft in ebenso schlichte wie starke Bilder übersetzt. Ihre Inszenierung macht aus der großen Oper wieder das Kammerspiel, als das der Komponist sie ursprünglich gedacht hat. Entsprechend karg ist das weite, leere Bühnenbild von Stephan von Wedel: ein Transferraum an der Grenze zum Unterbewussten. Nur ein paar Requisiten und einige folkloristische oder festliche Details an den Kostümen (Julia K. Berndt) erinnern daran, dass es eigentlich eine Handlung gibt – ein Treffen in ländlicher Idylle, einen Ball in der Stadt –, doch was (Bühnen)Realität, Erinnerung oder Traum ist, lässt sich hier so genau nie unterscheiden. […] Der junge Bariton Maximilian Krummen kann in der Titelrolle gut die Last tragen, die das ganz auf das Innenleben der Figuren konzentrierte Regiekonzept ihm auflegt. Szenisch und stimmlich ragt er noch eine Spur aus dem guten Ensemble heraus, zu dem auch Ivi Karnezi, die als Tatjana mit einer der schönsten Arien der Operngeschichte glänzen kann, sowie Joska Lehtinen und Milda Tubelyté als das zweite Paar Lenski und Olga gehören.«

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