Am vergangenen Wochenende richteten das Staatstheater Braunschweig in Kooperation mit dem neuen theater Halle zum vierten Mal den »Preis der jungen Dramatik« aus. Der Wettbewerb richtet sich an Studierende aus Literatur- und Schreibinstituten des gesamten deutschsprachigen Raumes und fördert neue Stimmen für das Theater von morgen. Alle zwei Jahre wird die Veranstaltung im Wechsel an den beiden Theatern ausgerichtet. 2024 wurde Kathrin Viereggs Stück »Mutter Vater Rind« mit dem Preis ausgezeichnet, das in der Regie von Evy Schubert am 20.03.2026 in Halle uraufgeführt wurde.
Auch dieses Jahr wählten die Dramaturgien aus Halle und Braunschweig aus zahlreichen Einreichungen wieder fünf herausragende Stückentwürfe für die Shortlist des »Preis der jungen Dramatik 2026« aus. Die nominierten Texte wurden im Rahmen szenischer Lesungen öffentlich präsentiert und sowohl dem Publikum als auch einer ausgewählten Fachjury vorgestellt. Der Jury gehörten Nurkan Erpulat, Sergej Gößner, Mirjam Khalaf, lynn t musiol und Christian Rakow an.
Für die diesjährige Ausgabe waren folgende Texte nominiert:
Sven Beck: »Drei Fortschritte«
Laura Bernhardt: »A Night in Stalingrad in 4k«
Julie Guigonis: »GEGENFEUER«
Anna Horak: »OHNWUT« Leena Schnack: »Kieselschwarm und Mondkanister«
Die Preisverleihung fand am 17. Mai 2026 im Anschluss an die abschließende Lesung in Braunschweig statt. Der »Preis der jungen Dramatik« 2026 ging an Laura Bernhardt für ihr Stück »A Night in Stalingrad in 4k«, eingerichtet von Christoph Diem. Neben dem Preisgeld erhält das Stück eine Uraufführung am Staatstheater Braunschweig.
Laura Bernhardt beschäftigt sich in ihren Arbeiten mit Stoffen aus der NS-Zeit, deren Nachwirkungen bis in die Gegenwart reichen, ebenso mit den Abgründen des Internets und patriarchalen Strukturen.
Die Fachjury begründet ihre Entscheidung wie folgt:
»Laura Bernhardts Stück A Night in Stalingrad in 4K führt uns in die Twilight-Zone moderner Jugendkultur. Wir begegnen zwei Brüder, die ihre Freizeit mit Kriegsfan-tasien, Gaming, und rechtsextremen Ritualen in der Manosphere verbringen. In geschickter Aneignung von Chatroomsprech und Egoshooterwortsalven, schafft Laura Bernhardt eine soghafte Poetik. Der Auftritt der weiblich gelesenen Drachenfigur, scheint uns enormes Potential zu haben, um spannungsreiche, subversive Momente in das Setting einzuführen. Das Stück dürfte ebenso für Jugendliches Publikum wie auch im Abendspielplan seinen Reiz entfalten.«
Der diesjährige Publikumspreis ging an Anna Horak für ihr Stück »OHNWUT«, eingerichtet von Marina Antonova. Mit ihrem Text beleuchtet Anna Horak ein Gefühl, das zwar alle kennen, das jedoch für weiblich sozialisierte Menschen inhärent anders bewertet wird. Mit ihrem suchenden, multiperspektivischen und lyrischen Text geht sie der Frage nach: Wohin mit der Wut?
Der »Preis der jungen Dramatik« steht für die gezielte Förderung neuer Autor:innen und für die gemeinsame Verantwortung von Theatern, künstlerischen Nachwuchs nachhaltig sichtbar zu machen und auf die Bühne zu bringen.
Wir gratulieren Laura Bernhardt und Anna Horak herzlich zu ihrem Erfolg!