Gerichtsdrama von Suzie Miller, Deutsch von Anne Rabe, ab 14 Jahren
Tessa Ensler ist eine erfolgreiche Anwältin, spezialisiert auf Sexualdelikte. Da die Opfer die Beweislast tragen, gelingt es ihr immer wieder, die Täter vor einer Bestrafung zu bewahren: Zu vieles bewegt sich angeblich im Diffusen, denn wo hört eine einvernehmliche Verabredung auf und wird zu körperlicher Gewalt? Doch eines Tages wird Tessa, überzeugend dargestellt von Lina Witte, selbst Opfer einer Vergewaltigung und begreift, wie falsch das System ist, das eigentlich alle schützen soll.
Content Note: Dieses Stück behandelt sexualisierte und seelische Gewalt, es kommen Selbstverletzung und Erbrechen vor. Jede:r kann jederzeit den Saal leise verlassen.
Aufführungsdauer: ca. 1 h 40 Min, keine Pause
»Schauspielerin Lina Witte muss zwischen gespielten Szenen und Selbstreflexion hin- und herschalten. Sie fesselt besonders an den Kipppunkten, wenn die erfolgreiche Anwältin Tessa Ensler in einer Disconacht die Business-Fassade auflöst und übergeht in Tanz, Begehren, Flirt. Und erst recht, wenn die leidenschaftliche Nacht mit ihrem Kollegen Julian umschlägt in die Vergewaltigung. (...)
Auch (den) letzten Kipppunkt spielt Witte packend, wenn Tessa im Gerichtssaal, wo sie vor ihrer Mutter und den feiernden Kumpeln ihres Ex-Flirts Intimstes ausbreiten musste, aus der Verzagtheit wieder in die Selbstsicherheit der Anwältin zurückfindet: Nun spricht sie wieder mit festem Ton und dem Stolz, den Saal dazu gezwungen zu haben, sich mit der Wahrheit auseinanderzusetzen, auch wenn sie die Verurteilung des Täters nicht erreicht hat. Das Thema aber ist gesetzt, die Vorfälle werden nicht mehr unter den Teppich gekehrt, die Gesellschaft wird sensibilisiert.
Das Stück leistet in dieser gelungenen Inszenierung dazu einen guten und spannenden Beitrag.«