Solo von Lilly-Marie Vogler unter Mitarbeit von Nils Strunk,
ab 14 Jahren
Eingesperrt in ihrem Kinderzimmer wartet Iphigenie auf ihre Hinrichtung. In mehreren Anläufen versucht sie, uns ihre Geschichte zu erzählen und wie es dazu kommen konnte: Angefangen hat alles mit ihrem Ururgroßvater Tantalos und einem Familienfluch. Zwei Generationen später zettelt ihr Vater Agamemnon den Trojanischen Krieg an und erzürnt durch das Töten einer Hirschkuh die Göttin Artemis. Diese schickt ihm zur Strafe eine Windstille, damit seine Schiffe nicht weiter Richtung Troja segeln können. Der Zorn der Artemis kann angeblich nur besänftigt werden, indem Agamemnon seine Tochter Iphigenie opfert. Kann sie ihr Schicksal abwenden?
Wer ist die junge Frau hinter dem Mythos heute? In ihrem Text stellt Lilly-Marie Vogler genau diese Frage und beginnt ein neues und feministisches Kapitel der 2400-jährigen Rezeptionsgeschichte. Dabei reflektiert der eindrückliche Soloabend Frauenbilder, hinterfragt das Patriarchat und rechnet gnadenlos mit einer von Männern dominierten Welt ab.
Dramaturgin Marlene Marek im Interview mit den Regisseurinnen Meera Theunert und Anna Kuch
Aufführungsdauer: ca. 1 h 30 min, keine Pause
Content Note: Dieses Stück behandelt sexualisierte, seelische und körperliche Gewalt. Es wird über Femizide gesprochen.
»Anna Paula Muth trägt den Abend: Sie spielt die Todgeweihte schön launisch zwischen Kindlichkeit und erzwungenem Erwachsenwerden. Sie kommt dem Publikum nahe, spricht Einzelne direkt an, lässt andere in ihrem Rollenspiel mitmachen. Im Gegensatz zu ihren Spielfiguren hat ihr Charakter Tiefe: Sie streichelt ihr Spielzeugpferd, verprügelt zornig schnaufend ihren Riesenteddy, verknäult sich hampelig in ihrem Hochzeitskleid, rappt darüber, wie Frauen und schließlich auch Männer unter dem Patriarchat leiden. Damit zeigt sie nicht nur die Auseinandersetzung mit den eigenen Gefühlen. Es geht auch um die Annäherung an die eigene Körperlichkeit, die hier nicht stereotyp weiblich, sondern fließend androgyn gezeichnet ist.«